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| Marktanalyse / Trends aktuell
Wer sich für Originalseiten interessiert, der kennt natürlich die größten Marktplätze auf denen sie gehandelt werden: San Diego, Angoulème und… Erlangen. Hier geht die Börse über den einfachen Handel mit bunten Heftchen hinaus. Im Mittelpunkt steht nicht vorwiegend der Verlagshandel mit gedruckter Auflage, sondern in besonderem Maße die einmalige künstlerische Seite. So ist es auch kein Wunder, dass selbst die namhaften Zeichner hin und wieder auf diesen größeren Veranstaltungen anzutreffen sind.Anbieter von Originalseiten sind in der Regel auf Comickunst spezialisierte Galerien. Auch die haben natürlich mittlerweile ihre Internetpräsenz ausgebaut, lassen sich aber häufig nicht leicht finden. So wundert es kaum, dass der weltweite Marktplatz EBAY auch hier eine Spitzenposition bei der Angebotssuche einnimmt. Wenn man allerdings das internationale EBAY-Angebot betrachtet, stellt man fest, dass selbst dort nur selten wirklich interessante Stücke auftauchen, denn die finden ihren Weg in der Regel längst zu einem traditionellen Auktionshaus, wo Bieter mit schwereren Portemonnaies anzutreffen sind. So wundert es kaum, dass ein von einem Ebay-Mitglied aus Las Vegas angebotenes weltbekanntes Gemälde von Frank Frazetta für einen Preis von über 200.000 Euro auf EBAY keinen Käufer gefunden hat, obschon der Originalseitenmarkt in den USA bislang wesentlich stärker boomte als in Europa. Was ist eine Originalseite? Wieder einmal müssen wir uns diese Frage stellen, die gerade im Computerzeitalter immer mehr an Bedeutung gewinnt. Ist eine vom Künstler kolorierte und signierte XEROX-Kopie als Original zu bezeichnen? Fest steht ja, dass hier nur der letzte Arbeitsgang – das Kolorieren – original ist und es sich bei der zeichnerischen Grundlage – wie gesagt – ja um eine Kopie handelt. Nun, auch hierbei gilt der Grundsatz – Kunst ist, was gefällt. Ich persönlich bin aber der Meinung, dass eine Originalseite vollständig original sein sollte. Ich würde also im Falle einer solchen Arbeitstechnik, eher die vom Künstler schwarzweiß gezeichnete und getuschte Originalseite bevorzugen. Eine farbige Originalseite hingegen ist entsprechend eine Seite, die in der "riskanten" Form der „Direktkolorierung“ geschaffen worden ist. Wieso riskant? Nun, je mehr Arbeitsgänge ein Original durchlaufen muss, umso größer ist der Schaden, den ein umgestürztes Wasserglas oder ein Ausrutscher mit dem Pinsel verursachen kann. Dennoch gibt es Künstler, die nach dieser Methode verfahren sind - beispielsweise Don Lawrence oder Jean Torton („Jeronaton“). Originalseiten sind natürlich, was ihr Format und ihre Konzeption betrifft, alles Andere als einheitlich. Die von Don Lawrence geschaffenen frühen TRIGAN- und KARL (Eric)-Seiten wurden häufig aus verlagstechnischen Gründen rüde beschnitten und umkonzipiert. Die Zahl der wirklich gut erhaltenen Stücke aus dieser Periode ist dementsprechend begrenzt. Zudem hat das Aufkleben der Sprechblasen - eine Methode, die glücklicherweise irgendwann aus der Mode gekommen ist - den Zustand vieler Seiten beeinträchtigt, zumal der Kleber nach einigen Jahren zerfiel, woraufhin sich die Sprechblasen dann lösten. Dies fällt besonders häufig bei englischen Publikationen, so beispielsweise auch bei den von John Bolton für einen englischen Verleger erstellten Horror-Stories – dem zeichnerischen Frühwerk des Künstlers – auf. Aber auch Prinz-Eisenherz-Seiten von Harold Foster wurden auf diese Weise in Mitleidenschaft gezogen. Doch bleiben wir beim Thema "Angebot von Originalseiten". Auffällig ist, dass die wirklich interessanten Stücke nur selten angeboten werden. Nehmen wir wieder einmal das beliebte Beispiel „Conan-Seiten“. Ein Anbieter aus Kalifornien bot allein im Laufe des vergangenen Jahres auf dem amerikanischen EBAY-Auktionsmarktplatz mehrere hundert – oft sogar nahezu fortlaufende Conan-Seiten von Ernie Chan und John Buscema an. Natürlich
war das Angebot an John Buscema-Seiten geringer und ihr erzielter Marktpreis
höher, doch das war nicht das eigentlich Interessante. Auffällig war vielmehr,
dass so genannte „Splash-Pages“ (ganzseitige Comicbilder, Story-Anfangsseiten)
natürlich nicht angeboten wurden. Diese Stücke überlässt man eben nicht den
Unwägbarkeiten einer „mainstream“-Auktion. Je nach Zeichner werden solche
Seiten, wenn überhaupt, ebenso wie die Heftcover, zu Preisen angeboten, die oft einem Mehrfachen der üblichen Preise für Originalseiten dieses Künstlers entsprechen. Noch seltener sieht man Doppel-„Splash-Pages“, bei denen das Comicbild zweiseitig ist und somit posterartige Ausmaße annimmt (im Original etwa DIN A 2-Format). Das sollte aber den interessierten Neueinsteiger nicht abschrecken. Viele Comicschätze dieser Art sind noch gar nicht gehoben und viele Zeichner, die sich nicht dem „Mainstream“ unterworfen haben, werden auch heute noch in ihrer nachhaltigen Bedeutung für die Comic-Kunst unterschätzt. Ein Beispiel dafür ist der in Deutschland nahezu unbekannte französische Künstler Gaston Niezabcowsky (NIEZAB), der nach einer Zeit als Bühnenbildner an der Pariser Oper und Illustrator von Kinderbüchern in den dreißiger Jahren Ende der vierziger Jahre die zur damaligen Zeit in Frankreich sehr populäre Serie „Petit Riquet“ zeichnete, von der hierzulande nur fünf Hefte mit dem Titel „Peterle als Reporter“ im Schwarzwald-Verlag erschienen. Hin und wieder sind auch noch in den vergangenen Jahren Originalseiten des Künstlers auf EBAY-France aufgetaucht und aus Unkenntnis für ein Taschengeld über den virtuellen Verkaufstisch gewandert. Der in den 50er Jahren verstorbene Niezab droht, außer in spezialisierten Sammlerkreisen, in Vergessenheit zu geraten, und das ungerechtfertigt, denn sein Einfluss auf die franco-belgische Comicszene ist unbestreitbar. Niezab mag es zum Verhängnis geworden sein, dass seine Hefte in schwarz-weiß erschienen und er somit zwischen der Unzahl schwarz-weißer Billigcomics dieser Zeit verloren ging.
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