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Originalseiten
Wenn der Comicsammler seine Sammlung endlich komplettiert hat (sofern ihm das zu seinen Lebzeiten überhaupt gelingt), ist der Weg zu den nächsten Objekten der Begierde nicht weit. Neben den schon genannten hochwertigen signierten und limitierten Luxusausgaben und Comicdrucken, werden nun – falls der Geldbeutel es zulässt - Zeichnungen und Originalseiten jetzt interessant. Sehen wir uns diese Dinge mal etwas genauer an: 1. Zeichnungen Bei
einfachen Zeichnungen von Comiccharakteren handelt es sich oft um
Gefälligkeitszeichnungen, die der jeweilige Künstler für seine Fans auf
Comicbörsen angefertigt hat. Sie sind häufig sehr einfach angelegt und besitzen
meist eine Widmung (z.B.: „Für Rudi“). Oft wurden sie in einen auf der Börse
angebotenen Comic-Band hineingezeichnet, oder auf einfachem DIN-A-4-Papier,
seltener auf Zeichenkarton, mit Zeichenkohle, Bleistift oder gar Kugelschreiber
oder Filzstift angefertigt. Der Wert einer solchen Zeichnung ist Ansichtssache. Das Auktionsergebnis eines zwar alten, jedoch nicht überaus seltenen „Tim-und-Struppi“-Albums, in das die Comic-Ikone Herge eine kleines Tim und Struppi-Portrait gezeichnet hat ( Der Band brachte bei EBAY einen vierstelligen Euro-Betrag) zeigt aber , dass auch solche kleinen Gefälligkeitszeichnungen durchaus von Wert sein können.
2.
Originalseiten: Kommen
wir zu den wahren Comic-Schätzen – den Originalseiten. Hier
hat der Zeichner ein Kunstwerk gestaltet, auf dessen Grundlage der Comic erst gefertigt werden konnte. Viele
Arbeitsgänge sind hierbei für die Gestaltung notwendig und häufig haben mehrere
Künstler bei der Erstellung einer solchen Seite zusammen gearbeitet. a.
Die Skizze Der
Künstler fertigt in der Regel zunächst einmal einen mit Bleistift gestalteten
Roh-Entwurf der Comic-Geschichte an. So existiert beispielsweise das
unvollendet gebliebene Tim-und-Struppi-Abenteuer „Tim und die Alpha-Kunst“ nur
als eine Sammlung von Skizzenseiten, die aber aufgrund des großen Interesses an
Herges Werk selbst als hochwertiges Comicalbum posthum editiert wurde. Die
Skizze bildet normalerweise die Grundlage für eine weitere Ausarbeitung des
Comics, die dann häufig direkt auf der Skizze erfolgt, hin und wieder jedoch
auch auf einer Kopie derselben. b.
Die Zeichnung Der
Künstler verfeinert die Skizze durch Radieren und feines Auszeichnen zu einer
vollständig gezeichneten Seite. Sie wirkt aber zumeist auch danach noch etwas
flach und zweidimensional. Also folgt ein dritter Arbeitsgang: c.
Die Tusche Häufig
gibt der Künstler zu diesem Zeitpunkt sein Werk bereits an einen Kollegen
weiter, dessen Aufgabe jetzt eine eher handwerkliche, wenn auch
verantwortungsvolle Tätigkeit ist. Der Künstler John Buscema ließ beispielsweise
viele seiner für die „Conan“-Serien gezeichneten Seiten von seinem Kollegen
Ernie Chan mit Tusche ausgestalten, der einige Jahre später selbst überwiegend als
Zeichner fungierte und die Tuschearbeit in diesem Zuge dann wiederum anderen Kollegen überließ. d.
Die Colorierung Seit
den 40er-Jahren wurden die zunächst in der Tradition der schwarz-weißen
Zeitungsstrips angelegten Comichefte aufgrund der zunehmenden Konkurrenz durch
den Farbfilm ebenfalls zunehmend farbig gestaltet. Ein
weiterer Arbeitsgang musste also durchgeführt werden - die Colorierung. Zu
Anfang wurden hierzu die Farben auf eine transparente Overlayfolie aufgetragen ( Beispiel: „Illustrierte
Klassiker“). Im Franco-belgischen Raum arbeitete man hingegen oft mit der
Direktcolorierung, wobei man in der Regel Deckfarben verwendete. Dass eine
Comicseite bei dieser Vielzahl von Arbeitsgängen immer der latenten Gefahr der
Zerstörung ausgesetzt war, nimmt nicht wunder. Ein umgestürztes Tuschenfass
oder ein abgerutschter Farbpinsel waren der Alptraum jedes Zeichners und
Redakteurs, wie wir durch die Lektüre der „Gaston“-Abenteuer von Andre Franquin
immer wieder so humorvoll vermittelt bekommen. Natürlich
hat heute der Computer schon längst seinen Einzug in die Comickultur vollzogen und
bei den bunten amerikanischen Superheldengeschichten wird die Colorierung heutzutage
oft am PC durchgeführt. Auch europäische Künstler nutzen immer geschickter die
Möglichkeiten dieser neuen Medien und dabei gelingen ihnen oft außergewöhnliche
Ergebnisse, ohne dass eine feste Comicseite jemals in einer anderen Form als in
der eines Plotter-Ausdrucks existiert. 3. Bewertung einer Originalseite: Kommen
wir aber zurück zu den wirklichen Originalseiten und den Indikatoren, die für
ihre Bewertung herangezogen werden müssen. i. Arbeitsschritte Die
erste Frage, die man sich stellen muss, ist natürlich die nach der Anzahl der
Arbeitsschritte, die die jeweilige Seite durchgemacht hat. Eine
Skizze ist in der Regel günstiger zu haben als eine zeichnerisch
ausgearbeitete
Seite. Ist auch noch der Tuschevorgang abgeschlossen und die Seite
möglicherweise sogar coloriert, so steigt in der Regel auch ihr Wert. ii. Zeichner Manche
Zeichner erzielen bereits hohe Galeriepreise und jede Einzelne ihre Seiten wird dann entsprechend zu
einem Kunstobjekt erster Güte, das für den Normalsammler schier unerschwinglich
ist. Wir haben in diesem Zusammenhang bereits auf den Versteigerungserlös
eines Herge-Covers und einer Bilal-Seite hingewiesen. Ob eine Conan-Originalseite von Barry Smith, John Buscema oder Ernie Chan geschaffen wurde, hat
somit natürlich erhebliche Auswirkungen auf ihren Wert. Aber
man kann nicht einfach einen einheitlichen Wert für alle Originalseiten
ein und desselben Zeichners festlegen, denn einen weiteren
wesentlichenAspekt für die Taxierung bilden natürlich die inhaltlichen
Aspekte der Seite. iii. inhaltliche Aspekte Eine besondere Rolle spielt nämlich die Frage,
ob es sich um einen Coverentwurf, die Eingangsseite einer Geschichte oder eine
Seite aus dem Mittelteil handelt. - Das
Cover Es
bildet natürlich die Krone der Comicoriginalseiten. Nehmen wir als Beispiel die
„Conan“-Comics. Ein
Coverentwurf von John Buscema wird von Händlern in der Regel im 4 bis
5-stelligen US-$-Bereich angeboten. Coverentwürfe sind begehrt und wenn man
bedenkt, dass man hierzulande eine von Klaus Dill gestaltete farbige Original Vorlage
für ein Bessyheft zurzeit für einen Preis von zwischen 200 und 500 Euro erstehen kann,
ist das im Vergleich zu den Arbeiten amerikanischer Künstler ausgesprochen
günstig.
- Die Eingangsseite
( „splash“-Page ) Ungefähr
auf dem gleichen Niveau bewegen sich die Preise für Eingangsseiten mit meist nur einem einzigen ganzseitigen Paneel (so genannte „Splash pages“).
Solche Seiten erzielen oft den mehrfachen Preis einer gewöhnlichen Seite aus
dem story-Mittelteil. - Die Mittelteilseiten Auch
hierbei gibt es natürlich noch große Unterschiede. Ich will wieder einmal das
Beispiel „Conan“ bemühen. Eine interessante Mittelseite liegt in der Regel vor,
wenn darauf die meisten Paneele die Hauptfigur „Conan“ zeigen und/oder wenn
sich auf der Seite ein größeres oder gar übergroßes Paneel befindet ( Viertel-
oder Halbseite ), das den Helden im
Großformat zeigt, oder möglicherweise eine schöne und aufwändig ausgearbeitete
Umgebungsstudie. Eine Seite hingegen, auf der die Hauptfigur überhaupt nicht zu
sehen ist, kann zwar durchaus schön ausgestaltet sein, ist aber in der Regel
für einen Sammler eher
von geringerem Interesse. Abschließend
möchte ich noch darauf hinweisen, dass speziell in Amerika auf das Sammlerinteresse
an Originalseiten in solcher Art reagiert wurde, dass auch limitierte und
signierte Repliken von Originalseiten angeboten werden. | ![]() Günstige LUXUS-Ausgaben gibt es auch hier!! |
